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Die Muttersprache des Gesangs


Frau Döcker, Sie wollten ja eigentlich Lehrerin werden, was hat Sie zum Gesangsstudium animiert?

Christiane Döcker: Um ehrlich zu sein, ist das irgendwie so passiert (lacht). Ich habe Lehramt Musikerziehung studiert und meine damalige Gesangsprofessorin hat mich sehr gefördert. Nach einem Jahr habe ich mich daher zusätzlich der Gesangspädagogik gewidmet und im Alter von 23 Jahren wollte ich es dann sozusagen wissen, habe die Aufnahmeprüfung für Gesang absolviert und auf Anhieb bestanden. Ab da gab es kein Zurück mehr.

Sie haben den Bachelor in Gesangspädagogik mit Auszeichnung, aber auch Ihr Lehramtsstudium für Italienisch/Musikerziehung und 2017 noch das Masterstudium „Lied und Oratorium“ abschließen können; warum gleich drei Studien?

Döcker: Als sich meine Stimme immer besser entwickelt hat, hat eins das andere ergeben. Nachdem ich sehr ehrgeizig bin, war es ein Muss für mich, alle Studien abzuschließen. Rückblickend frage ich mich, wie das alles möglich war, aber heute bin ich sehr froh, alle Studien abgeschlossen zu haben.

Was bedeutet Ihnen Singen?

Döcker: Singen ist für mich Freiheit. Auf der Bühne lebe ich nur im Moment, bin ganz bei mir und gebe mich der Musik und der Energie des Abends hin; wenn das bei einer Vorstellung gelingt, bin ich zufrieden.

Wie kommt man bereits während des Studiums zu einem Vertrag am Stadttheater Klagenfurt?

Döcker: Es passierte über ein Agenturvorsingen an der Uni, an dem ich zuerst eigentlich gar nicht teilnehmen sollte. Glücklicherweise hat mich meine damalige Gesangsprofessorin doch vorgeschlagen und ich konnte sowohl die Agentin aus München als auch beim von ihr organisierten Vorsingen in Klagenfurt überzeugen.

Erzählen Sie bitte kurz vom Vorsingen an der Oper Leipzig!

Döcker: Ich kann mich noch sehr genau erinnern. Ich wurde von einem tollen Pianisten begleitet, was nicht immer der Fall ist. Stattgefunden hat es auf der Probebühne und ich habe damals Olga (Eugen Onegin) und Charlotte (Werther) vorgesungen. Im Anschluss habe ich noch die schöne Innenstadt besichtigt und währenddessen kam auch schon der Anruf meines Agenten mit der Info, dass sie mich haben wollen.

Was haben Sie für sich aus Klagenfurt oder auch Leipzig mitnehmen können?

Döcker: Im Ensemblebetrieb in Leipzig habe ich gelernt, schnell und effizient zu arbeiten. Wenn man beispielsweise nach nur zwei Proben als Walküre debütiert, kann man nicht viel herumprobieren. In Klagenfurt konnte ich unglaublich viel Bühnenerfahrung sammeln, da wir dort immer 10 bis 15 Vorstellungen pro Produktion hatten. Jede Vorstellung ist anders und es war am Beginn wichtig zu lernen, wie ich mir den Tag, das Essen und meine Energie richtig einteile, um am Abend fokussiert und wach zu sein.

Sie haben kürzlich in Israel debütiert und auch kommendes Jahr werden Sie dort in zwei Paraderollen zu hören sein: Cherubino (Hochzeit des Figaro) und Prinz Orlovsky (Fledermaus). Wie war diese Erfahrung für Sie?

Döcker: In Israel zu singen war für mich eine große Bereicherung. Ich habe meine erste Shabbat-Feier im familiären Kreis erlebt, in Tel Aviv und Jerusalem gewohnt und die Menschen und ihre Kultur dort schätzen gelernt. Die aktuellen Nachrichten machen mich sehr betroffen und die beiden Produktionen wurden vorerst auf Mitte/Ende 2024 verschoben. Ich hoffe, dass ich meine Freunde und Kollegen dort bald wieder sehen kann.

Sie treten auch gerne als Konzertsängerin auf; warum ist Ihnen das so wichtig?

Döcker: Schon lange, bevor ich auf der Opernbühne gestanden bin, habe ich viele Konzerte und Messen gesungen. Das Konzert ist intimer und persönlicher, da man keine Rolle in dem Sinn verkörpert und auch ohne Bühne, Make-up und Kostüm den Inhalt transportieren muss.

Von 16. bis 18. November halten Sie im BildungsZentrum St. Benedikt unter dem Motto „Voice to go“ einen Meisterkurs für Anfänger und Fortgeschrittene; was reizt Sie am Unterrichten?

Döcker: Ich hatte immer schon eine Leidenschaft für das Unterrichten; Gesang zu lehren ist eine besondere Herausforderung. Es geht nicht nur darum, eine Stimme zu trainieren und Technik zu vermitteln. Es geht auch um Persönlichkeitsentwicklung, den Menschen als Ganzes zu sehen und für jeden individuell einen Weg zu finden, um die Stimme entfalten zu können.

Bleibt da mitunter auch noch ein wenig Zeit für Hobbys? Wo und wie finden Sie Ausgleich?

Döcker: Ein Ausgleich ist in diesem Beruf von großer Bedeutung, da er einem viel Energie abverlangt und man oft von zu Hause weg ist. Ich entspanne am liebsten beim Kochen, bei langen Spaziergängen und gemeinsamer Zeit mit Freunden und Familie.

Christiane Döcker

Christiane Döcker am Stadttheater Klagenfurt als Flosshilde in Wagners „Götterdämmerung" in einer der 10 Vorstellungen im Oktober 2023.

Foto: Arnold Poeschl, ARNOLD POESCHL

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Author: William Higgins

Last Updated: 1702003803

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Name: William Higgins

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Job: Paramedic

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